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Hüftgelenk

Das Hüftgelenk (= Femoroacetabulargelenk oder Articulatio coxae) bildet den beweglichen Übergang zwischen Rumpf und Bein. Es ist nach dem Kniegelenk das zweitgrößte Gelenk des Menschen und wird knöchern vom Oberschenkelknochen  (= Femur) und Becken (= Pelvis) gebildet. Die anatomische Besonderheit des Hüftgelenkes ergibt sich aus seiner unmittelbaren Nähe zu komplexen anatomischen Strukturen der Leiste, des Leistenkanales und dem Ansatz und Ursprung sehr kräftiger Muskelgruppen vor und hinter dem Drehpunkt des Hüftgelenkes, wodurch hohe Drehkräfte über starke Sehnen und Sehnenplatten durch das Gelenk übertragen werden.

Knöcherne Strukturen

Oberschenkelknochen (= Femur)

Der Oberschenkelknochen läuft nach oben außen in den großen Rollhügel (= Trochanter major), der von außen gut tastbar ist und laienhaft als „Hüftknochen“ bezeichnet wird. Von hier aus biegt der Oberschenkel in einem Winkel nach innen um und verläuft schräg nach oben als Schenkelhals (= Collum femoris) weiter, um am oberen Ende in einem großen unvollständig kugeligen Kopf (= Caput femoris) mit einem Durchmesser von ca. 2,5 cm zu enden. Am seinem oberen Pol liegt eine kleine Vertiefung (= Fovea capitis femoris), in die ein relativ starkes Band mit einer größeren Arterie für die Hüftkopfdurchlutung einstrahlt. Der Hüftkopf ist durchgehend von hyalinem Gelenkknorpel überzogen, der in der Hauptbelastungszone am oberen äußeren Rand bis zu 3,5 mm dick ist. In den übrigen Bereichen nimmt die Knorpeldicke hingegen zum Teil deutlich ab.

Hüftgelenkspfanne (= Acetabulum)

  • Diese wird von drei knöchernen Anteilen des Beckens (= Pelvis) gebildet:  Darmbein (= Os ilium) als Dach des Hüftgelenkes
  • Schambein (= Os pubis) als Begrenzung nach vorne
  • Sitzbein (= Os ischii) als Begrenzung nach hinten und oben

Diese drei knöchernen Beckenanteile formen gemeinsam die Hüftpfanne, die wie eine hohle Halbkugel aussieht und den Hüftkopf aufnimmt. In ihr formt der Gelenkknorpel einen y-förmigen Überzug. Ihr Radius beträgt etwa 2,7 cm. Die Pfanne selbst trägt am Oberrand eine bogenförmige Randerweiterung bestehend aus einem Faserknorpel (= Labrum acetabuli). Dieses geht stellenweise über den Äquator der Halbkugel hinaus und umgreift regelrecht den Hüftkopf. Daher wird beim Hüftgelenk auch von einem Nussgelenk (Sonderform des Kugelgelenkes) gesprochen.

Das Innere der Gelenkpfanne ist nur unvollständig von hyalinem Knorpel überzogen, da sich die effektive Kontaktfläche mit dem Hüftkopf auf eine halbmondförmige Gelenkfläche (= Facies lunata) beschränkt. Zentral in der Hüftpfanne liegt eine Vertiefung (= Fossa acetabuli), die mit der Unterbrechung der Pfannenlippe in einer Ebene liegt und in ihr ausläuft.

Eine anatomische Besonderheit des Hüftgelenkes mit praktischer Bedeutung stellen zwei wichtige Winkel dar:

1. CCD-Winkel (= Centrum-Collum-Diaphysenwinkel)

Zieht man eine gerade Linie durch die Mitte des Oberschenkelhalses und durch die Mitte des Oberschenkelschaftes ergibt sich ein Winkel, der sogenannte CCD-Winkel oder auch Schenkelhalswinkel genannt. Dieser beträgt beim Kind ca. 140°-150 °, beim Erwachsenen ca. 125° und beim alten Menschen ca. 115°-120°.

Da das Hüftgelenk große Kräfte übertragen muss, ist für eine Beurteilung der Achsenverhältnisse zum Beispiel auch die Lage der Gelenkpfanne einzubeziehen. So haben Menschen mit steilen Gelenkpfannen normalerweise auch größere CCD-Winkel. Ist dieser Winkel über das altersgemäße normale Maß hinaus vergrößert spricht man von einer Coxa valga, ist dieser Wert hingegend verkleinert von einer Coxa vara. In beiden Fällen resultiert eine Fehlbelastung für das Hüftgelenk.

2. Antetorsionswinkel

Dieser Winkel beschreibt die Drehung des Schenkelhalses nach vorne in Bezug zur queren Kniegelenksachse. Er beträgt beim Kind ca. 30° und nimmt im Laufe des Wachstums beim Erwachsenen auf ca. 12° ab. Auch hier kommt es bei einer entsprechenden Abweichung von der Norm zur Fehlbelastung der Hüfte.

Gelenkkapsel und Binnenstrukturen

Die straffe, trichterförmige, enganliegende Hüftgelenkskapsel ist die dickste und kräftigste unseres Bewegungsapparates. Sie wird durch innerhalb der Kapsel gelegene Bänder stabilisiert und in der Mitte vom Ringband umgurtet. Sie entspringt am Rand der Hüftgelenkspfanne sowie am Ringband und zieht vorne zur Zwischenrollhügellinie (= Linea intertrochanterica) des Oberschenkels und hinten zur Mitte des Schenkelhalses. Durch die Beteiligung dreier kräftiger Bänder (= Lig. iliofemorale, pubofemorale und ischiofemorale) ist die Gelenkkapsel bis zu etwa 500 kg auf Zug belastbar und stellt somit einen entscheidenden Schutz vor einem Auskugeln des Hüftgelenks dar.

Wie jede Gelenkkapsel besteht auch die des Hüftgelenkes aus zwei Schichten:

Äußere Schicht

Die äußere Schicht (= Membrana fibrosa) entspringt an der Faserknorpellippe und überdeckt trichterförmig fast vollständig den Oberschenkelknochenhals, um vorne an der Linie zwischen den beiden Oberschenkelrollhügeln (= Linea intertrochanterica) anzusetzen. Hinten ist die Ansatzlinie etwa fingerbreit oberhalb des Randes (= Crista intercondylaris) zwischen den beiden Rollhügeln     (= Trochanter major außen und Trochanter minor an der Innenseite) entfernt.

Innere Schicht

Die innere Schicht (= Membrana synovialis) bildet die für die Ernährung des Knorpels wichtige Gelenkflüssigkeit (= Synovia). Bewegungen des Hüftgelenks durchmischen die Gelenkflüssigkeit wie bei jedem anderen Gelenk und verbessern dadurch die Aufnahme von Nährstoffen durch die Knorpelzellen (= Chondrozyten). Die richtige Menge und Zusammensetzung der Gelenkflüssigkeit ist für die Schmierung des Hüftgelenkes von entscheidender Bedeutung. Durch sie wird die Reibung der korrespondierenden Knorpelflächen bei der Roll-Gleit-Bewegung minimiert.

Außerdem besitzt das Hüftgelenk einen Fettkörper (= Corpus adiposum), der sich in der Hüftpfanne befindet.

Schleimbeutel

Zwischen der Kapsel und dem Lendenmuskel befindet sich ein Schleimbeutel        (= Bursa iliopectinea), der meistens mit dem Hüftgelenk in Verbindung steht. Ein weiterer wichtiger Schleimbeutel, der öfters von Entzündung betroffen ist, liegt am Oberschenkel seitlich in Höhe des großen Rollhügels zwischen dem Tractus iliotibialis (= gemeinsame Sehnenplatte von Oberschenkel- und Gesäßmuskeln) und dem Trochanter major (= großer Rollhügel).

Bänder

Das Hüftgelenk ist mit dem kräftigsten Bandapparat des menschlichen Körpers versehen, da es aufgrund des umfangreichen Bewegungsspielraums auf eine knochenbetonte Roll-Gleitbewegung wie etwa beim Kniegelenk verzichtet. Dabei sind die kapselverstärkenden Bänder derart schraubenförmig um den Oberschenkelknochenhals gewickelt, dass sie im Stand und in Streckung gespannt sind, während sie sich bei Beugung abwickeln. Von jedem der der drei Knochenanteile des Beckens, die die Hüftpfanne bilden, verläuft ein Band zum Oberschenkelknochen. Diese drei Bänder stabilisieren, indem sie für eine Kontakterhaltung zwischen Gelenkpfanne und -kopf sorgen. Außerdem besitzt die knöcherne Gelenkpfanne ein zusätzliches Band, wodurch sie vervollständigt wird. In den Oberschenkelknochen führt noch ein Band, welches den Hüftkopf versorgt (= Pfannenband oder Ligamentum fovea capitis femoris).

I  a) oberes

   b) vorderes unteres Darmbein-Schenkelband (Lig. iliofemorale)

Es ist 6-8 cm lang, 1,5-3 cm breit, besitzt eine Zugfestigkeit von 300-350 kg und stellt damit den stärksten Bandzug des menschlichen Körpers dar. Es verläuft von der vorderen unteren Beckenspitze (= Spina iliaca anterior inferior) und dem Rand des Pfannendachs bis zur Linie zwischen den beiden Oberschenkelrollhügeln. Gemeinsam verhindern beide Zügel ein nach – hinten – Kippen des Beckens und stabilisieren somit die Standbeinphase, also die Streckung. Der obere Zügel hemmt zusätzlich die Auswärtsdrehung (= Außenrotation), der untere Zügel hemmt die Innenwärtsdrehung (= Innenrotation).

II  a) äußeres

    b) inneres Schambein-Schenkelband (= Lig. pubofemorale)

Es ist das schwächste der Hüftgelenksbänder. Es verläuft vom Schambein (= Ramus superior ossis pubis) zum kleinen Oberschenkelrollhügel (= Trochanter minor) und strahlt in das Ringband und die Gelenkkapsel ein. Das Schambein-Schenkelband schränkt die Abspreizbewegung (= Abduktion) ein.

III a) äußeres


    b) inneres Sitzbein-Schenkelband (= Lig. ischiofemorale)

Es verläuft vom Sitzbein zum Ansatz des oberen Zügels des Darmbeinschenkelbandes und strahlt außerdem in das Ringband ein. Es hemmt die Innenwärtsdrehung.

IV Ringband (=Zona orbicularis)

Es liegt wie ein Kragen um die engste Stelle des Oberschenkelknochenhalses.

V Kopfband (=Lig. capitis femoris)

Es verläuft von der Pfannengrube in eine kleine Vertiefung des Hüftkopfes (= Fovea capitis femoris). Es hat keine mechanische Funktion, sondern beinhaltet eine Arterie, die den Hüftkopf versorgt. Weitere Arterien, die den Hüftkopf versorgen verlaufen von außen und innen kommend um den Hüftkopf herum.

VI  Das quere Pfannenband (= Ligamentum transversum acetabuli)

Es verschließt die Lücke in der Hüftgelenkspfanne (''Incisura acetabuli'') und vervollständigt so die knöcherne Gelenkpfanne nach unten hin.

Funktion

Das Hüftgelenk ist als Nussgelenk eine Sonderform des Kugelgelenkes und besitzt wie dieses praktisch Bewegungsmöglichkeiten in allen drei Bewegungsebenen:

  • Beugung (= Flexion): bis ca. 140°
  • Streckung (= Extension): bis ca. 20°
  • Abspreizbewegung (= Abduktion): bis ca. 50° (bei gestreckter Hüfte)      
  • Heranführungsbewegung (= Adduktion): bis ca. 30° (bei gestreckter Hüfte)
  • horizontale Abspreizbewegung: bis ca. 80° (bei 90° Beugung im Hüftgelenk)
  • horizontale Heranführungsbewegung: bis ca. 20° (bei 90° Beugung im Hüftgelenk)
  • Einwärtsdrehung (= Innenrotation): bis ca. 40° (bei gestreckter Hüfte) 
  • Auswärtsdrehung (= Außenrotation): bis ca. 30° (bei gestreckter Hüfte)
  • Einwärtsdrehung: bis ca. 40° (bei 90° gebeugtem Hüftgelenk)
  • Auswärtsdrehung: bis ca. 50° (bei 90° gebeugtem Hüftgelenk)

 

Muskulatur

Die nachfolgende Aufzählung der Muskeln des Hüftgelenks mit entsprechender Hauptfunktionszuordnung gibt einen Überblick über die umfangreiche hüftgelenksumgebende Muskulatur. Bei unterschiedlicher Gelenkstellung sind Teilmuskelzüge an anderen Bewegungen mitbeteiligt. Alle diese Möglichkeiten zu erörtern würde jedoch den Rahmen der anatomischen Vorbetrachtungen bei weitem sprengen.

Flexion ( Beugung )

1. Lenden-Darmbeinmuskel ( M.iliopsoas )

2. gerader Schenkelmuskel ( M. rectus femoris ) 


3. Schenkelbindenspanner ( M. tensor fasciae latae )

4. Schneidermuskel ( M. sartorius )

5. mittlerer Gesäßmuskel ( vorderer Anteil ) ( M. glutaeus medius )

 

Extension ( Streckung )

1. großer Gesäßmuskel ( M. glutaeus maximus )

2. mittlerer und kleiner Gesäßmuskel ( hintere Anteile ) ( M. glutaeus medius et minimus )


3. großer Schenkelanzieher ( M. adductor magnus ) 


4. ischiokrurale Muskulatur

 

Abduktion 
( Abspreizen)

1. mittlerer Gesäßmuskel ( M. glutaeus medius )

2. kleiner Gesäßmuskel ( M. glutaeus minimus )


3. birnenförmiger Muskel ( M. piriformis )

 

Adduktion 
( Heranführen )

1. Kamm-Muskel ( M. pectineus ) 


2. langer Schenkelanzieher ( M. adductor longus )


3. kurzer Schenkelanzieher ( M. adductor brevis )

4. großer Schenkelanzieher ( M. adductor magnus )

5. schlanker Muskel ( M. gracilis )

6. großer Gesäßmuskel ( M. glutaeus maximus ) 


7. vierseitiger Schenkelmuskel ( M. quadratus femoris ) 


8. innerer Hüftlochmuskel ( M. obturatorius internus ) 


9. Zwillingsmuskeln ( Mm. gemelli )

 

Innenrotation

1. mittlerer Gesäßmuskel ( M. glutaeus medius )


2. vorderer Anteil des kleinen Gesäßmuskels ( M. glutaeus minimus )

3. unterer Anteil des großen Schenkelanziehers ( M. adductor magnus )

4. Schenkelbindenspanner ( M. tensor faciae latae )

 

Außenrotation 


1. Kamm-Muskel ( M. pectineus )

2. langer Schenkelanzieher ( M. adductor longus )

3. kurzer Schenkelanzieher ( M. adductor brevis )

4. mittlerer Gesäßmuskel ( M. glutaeus medius )

5. hinterer Anteil des kleinen Gesäßmuskels ( M. glutaeus minimus )

6. großer Gesäßmuskel ( M. glutaeus maximus )

7. birnförmiger Muskel ( M. piriformis )

8. innerer Hüftlochmuskel ( M. obturatorius internus )

9. äußerer Hüftlochmuskel ( M. obturatorius externus )

10. vierseitiger Schenkelmuskel ( M. quadratus femoris )

11. oberer und unterer Zwillingsmuskel ( M. gemellus superior et inferior )

Häufig vorkommende Erkrankungen und Verletzungen

Hüftarthrose (= Coxarthrose)

Die Coxarthrose ist eine multifaktorielle degenerative, also durch Verschleiß entstehende Erkrankung des Hüftgelenkes. Dabei kommt es infolge zunehmenden Abriebes des Gelenkknorpels schließlich zu dessen Zerstörung, die letztlich auch weitere Gelenkstrukturen wie Gelenkkapsel, Knochen und die zughörige Muskulatur schädigen kann. Die Folgen sind in erster Linie Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen des Gelenkes. Durch Schonung des Gelenkes können sich in der Folgezeit Fehlhaltungen und/oder Fehlbelastungen anderer Körperregionen entwickeln.

Man unterscheidet eine primäre Arthrose, die sich ohne erkennbare Ursache (z.B. eine Vorerkrankung) entwickelt von einer sekundären Arthrose aufgrund von Fehlstellungen, Unfällen, Vorerkrankungen (z.B. Morbus Perthes, kindliche Hüftkopflösung, Hüftdysplasie, Rheuma, Brüchen).

Schenkelhalsbruch

Insbesondere im höheren Lebensalter kommt es bei Stürzen auf das seitliche Becken gehäuft zu einem Schenkelhalsbruch / Schenkelhalsfraktur. Dabei bricht das obere Ende des Oberschenkelknochens (Femur) knapp unterhalb des Oberschenkelkopfes (Hüftkopf) im Bereich des Schenkelhalses (daher der Name). Je nach Verlauf des Bruchwinkels müssen die meisten Brüche operativ versorgt werden, da sonst Stufenbildungen und Fehlstellungen im Hüftgelenk verbleiben, die zur sekundären Arthrose führen. Manchmal ist es auch nötig, sofort eine Hüftendoprothese zu implantieren, insbesondere dann, wenn ohnehin schon arthrotische Veränderungen im Gelenk bestehen oder der Patient aufgrund seines Alters so schnell wie möglich wieder mobilisiert werden muss.

Hüftkopfnekrose beim Erwachsenen

Unter Hüftkopfnekrose sind alle erworbenen Erkrankungen des Hüftkopfes zu verstehen, die durch eine Mangeldurchblutung (= Ischämie) des Hüftkopfes zu einem unterschiedlich großen, meist partiellen Absterben des Hüftkopfes führen und die in ihrem Endstadium in eine Coxarthrose (Hüftgelenksarthrose) übergehen können.
 Als Ursachen kommen Strahlentherapien bei Krebserkrankungen, häufige Cortisoninjektionen in das Hüftgelenk oder Cortisonbehandlungen aufgrund anderer Erkrankungen (z.B. Asthma, Rheuma), Alkoholabusus, Schenkelhalsfrakturen, chronische Harnsäureerhöhung, Chemotherapie, Fettstoffwechsel- oder andere Stoffwechselerkrankungen in Frage.

In der Folge können sich abgestorbene Knochenbezirke demarkieren, einbrechen und den Hüftkopf sowie das ganze Hüftgelenk deformieren, der Hüftkopf bricht regelrecht in sich zusammen. Es resultiert immer eine schwere Arthrose des Hüftgelenkes. Betroffen sind meist Männer zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Morbus Perthes bei Kindern und Jugendlichen

Beim M. Perthes handelt es sich um eine Durchblutungsstörung des kindlichen Hüftkopfes unbekannter Ursache mit spontaner Entstehung. Betroffen sind meist Jungen im Alter von 4-8 Jahren, häufig auch an beiden Hüften.

Die Erkrankung verläuft stadienhaft in 4 Stufen, die häufig ca. 1 Jahr dauern, Gesamterkrankungsdauer also ca. 4 Jahre. Es können sowohl der Hüftkopf als auch die Wachstumsfuge betroffen sein, wodurch es zu Wachstumsstörungen kommen kann. Auch kann in der Ausheilung eine Defektbildung mit Deformierung des Hüftkopfes resultieren. Diese stellt dann immer einen Risikofaktor für die spätere Entstehung einer sekundären Hüftarthrose dar.

Jugendliche Hüftkopflösung (= Epiphyseolysis capitis femoris)

Bei der Epiphysiolysis capitis femoris kommt es zu einer Ablösung mit Verschiebung in der Wachstumsfuge (= Epiphysenfuge) zwischen Schenkelhals und Hüftkopf. Auftreten meist im vorpubertären Alter zwischen 10 und 14 Jahren , oft beidseits und bevorzugt bei Jungen. Als Ursache wird eine Störung des Mengenverhältnisses zwischen Wachstums- und Sexualhormonen angenommen. Diese Erkrankung muss bei Verdacht unbedingt diagnostiziert und behandelt werden, da sonst später schwere Schäden des Hüftgelenkes resultieren.

Hüftdysplasie (sog. Angeborene Hüftluxation)

Bei einer Hüftdysplasie handelt es sich um eine multicausale angeborene kindliche Reifungsstörung der Hüftpfanne bzw. der Pfannendachverknöcherung. Angeboren ist dabei nur die Hüftdysplasie. In der weiteren Entwicklung kann der Hüftkopf aus der Pfanne auskugeln (= luxieren) und sich eine Hüftluxation entwickeln.
 Eine Hüftdysplasie ist ein Hochrisikofaktor für die Entwicklung einer Hüftarthrose (Coxarthrose). Durch das fehlende Pfannendach (Erker) wird die Gewichtsübertragung vom Oberschenkel (Femur) auf das Becken durch fehlende Kongruenz der Gelenkpartner ungünstig. Die Früherkennung ist daher sehr wichtig und kann durch durch Ultraschall beim Säugling frühzeitig erkannt und behandelt werden, so dass dann häufig keine späteren Probleme daraus erwachsen. Mädchen sind deutlich häufiger betroffen als Jungen (Verhältnis ca. 4:1).

Coxitis fugax

Eine Coxitis fugax wird auch als „Hüftschnupfen“ bezeichnet und ist eine flüchtige Entzündung des kindlichen Hüftgelenkes. Häufig treten sie im Rahmen eines Allgemeininfektes als teilweise allergische Reaktion der Gelenkschleimhaut auf. Eine Coxitis fugax heilt in der Regel unter einer angemessenen symptomatischen Therapie folgenlos aus.

Schnappende Hüfte (= Coxa saltans)

Hierbei kommt es zu einem Überspringen des Tractus iliotibialis (= starke Sehnenplatte am seitlichen Oberschenkel) über den großen Rollhügel beim Gehen. Durch Hin- und Hergleiten über den Rollhügel kommt es zur Entzündung des Schleimbeutels mit Schmerzen beim Gehen. Vorkommen gehäuft bei jungen Mädchen. Therapie in hartnäckigen Fällen durch kleine operative Eingriffe mit z-förmiger Verlängerung des Tractus iliotibialis.

Angeborene Entwicklungsstörungen des Schenkelhalses

Der Schenkelhalswinkel beträgt bei der Geburt normalerweise ca. 150° und richtet sich im Laufe des Wachstums bis auf ca. 125° beim Erwachsenen auf.

Bei einer angeborenen Verkleinerung des Winkels unter 120° wird von einer Coxa vara congenita gesprochen. Dies hat zur Folge, dass sich der große Rollhügel außen dem Darmbeinkamm annähert und zu einer Schwäche der kleinen Gesäßmuskeln führt, wodurch ein Hinken, Bewegungseinschränkung, Fehlbelastung für das Hüftgelenk und die Lendenwirbelsäule resultiert. Die Coxa vara führt unbehandelt zur Arthrose und sollte deshalb operativ korrigiert werden.

Bildet sich der Schenkelhalswinkel bis zum Abschluss des Wachstums nicht auf ca. 125° zurück und bleibt vergrößert bei deutlich über 125° spricht man von einer Coxa valga. Biomechanisch kommt es dadurch zu einem erhöhten Druck innerhalb des Hüftgelenkes, wodurch sich auf Dauer ebenfalls eine sekundäre Arthrose entwickeln kann. Ab einer Erhöhung über 140° sollten deshalb operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden.

Labrumläsionen

Das Labrum des Hüftgelenkes besteht ähnlich wie der Meniskus im Kniegelenk aus einem Faserknorpel und ist am knöchernen Rand der Gelenkpfanne befestigt. Dort passt er sich der Hüftkopfüberdachung an und trägt zur gleichmäßigen Gewichtsverteilung und der Stabilität des Hüftgelenkes bei. Nicht selten kommt es zu einem Riss dieser Pfannenrand- erweiterung mit einem typischen Leistenschmerz bei endgradiger Hüftbeugung und Innenrotation. In der jungen Bevölkerung tritt diese Läsion in ca. 10-15% auf. Bei Arthrosen des Hüftgelenkes im fortgeschrittenen Stadium immer. Ursächlich kommen vor allem traumatische Einrisse, Hüftdysplasien und das femoroacetabuläre Impingement vor. Bei letzterem handelt es sich um einen verfrühten Kontakt zwischen Schenkelhals und Hüftpfanne mit Bewegungseinschränkung des Hüftgelenkes. Dies führt im Laufe der Zeit zur Schädigung des Labrums und des Knorpels und letztendlich unbehandelt zur Arthrose des Hüftgelenkes.

Beim femoroacetabulären Impingement (=FAI) kommen zwei Formen vor:

a) Cam-Ipingement (engl.: „Nocke“)

Es bezeichnet die vom Oberschenkelhals ausgehende Form mit einer unzureichenden Taillierung des Kopf-Hals-Überganges. Dadurch kommt es bei Hüftbeugung zum Einpressen des asphärischen Teils des Hüftkopfes in die Pfanne ohne dass der knöchern gefasste Hüftkopf ausweichen kann. Dies führt zu Druck- und Scherkräften auf das Labrum und den Knorpel mit sukzessiver Zerstörung desselben.

Betroffen sind vorwiegend junge Männer ab 20 Jahren.

b) Pincer-Impingement (engl. „Zange)

Dies ist die von der Pfanne ausgehende Form des femoracetabulären Impingements. Sie geht mit einer vermehrten Überdachung des Hüftkopfes einher und kann sowohl lokalisiert als auch zirkulär auftreten. Dabei kommt es zu einem linearen Anprall zwischen Hüftkopf und Pfanne, wobei das Labrum zu Beginn wie ein Puffer wirkt, der aber mit der Zeit zerstört und vom Pfannenrand abgerissen wird. Die Folgen sind auch in diesem Falle spätere Knorpelschäden des Hüftgelenkes, allerdings auf einen feinen Streifen entlang des Labrums begrenzt.

Betroffen hiervon sind vor allem Frauen im mittleren Alter.

Bei Vorliegen eines femoroacetabularen Impingements mit entsprechenden Schmerzen ist die Therapie der Wahl operatives Vorgehen mittels Gelenkspiegelung. Diese Operation dient sowohl der Therapie der akuten Beschwerden als auch Prophylaxe, da sich bei femoroacetabularen Impingements später meist eine Hüftgelenksarthrose entwickelt.

 

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